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Gehalt & Recht

ZFA Tarifvertrag 2026: Gehalt, Rechte & Verhandlungstipps

Alles zum ZFA-Tarifvertrag: Welche Bundesländer haben einen Tarif? Was steht drin? Und wie verhandelst du erfolgreich mehr Gehalt – auch ohne Tarif?

9 Min. Lesezeit
Aktualisiert: Mai 2026

Die unbequeme Wahrheit: Anders als in der Pflege oder im öffentlichen Dienst gibt es für Zahnmedizinische Fachangestellte keinen bundesweiten Tarifvertrag. Viele ZFAs verhandeln ihr Gehalt direkt mit der Praxis – ohne tarifliche Absicherung. Dieser Guide erklärt, wie das ZFA-Tarifsystem wirklich funktioniert und wie du auch ohne Tarif gut verdienst.

Tariflandschaft für ZFAs in Deutschland

In Deutschland verhandeln die Zahnärztekammern der Bundesländer (als Arbeitgeberverbände) mit dem Verband medizinischer Fachberufe e.V. (vmf) Tarifverträge. Diese gelten aber nur für Praxen, die dem jeweiligen Arbeitgeberverband angehören – und das ist nicht jede Praxis.

Bayern

TV seit Jahrzehnten aktiv; vmf/BLZK. Breite Bindung.

Baden-Württemberg

Tarif zwischen LZK BW und vmf. Gut abgedeckt.

NRW (Nordrhein)

ZÄK Nordrhein + vmf. Gilt für Nordrhein-Praxen.

NRW (Westfalen-Lippe)

Eigener Tarif ZÄKWL/vmf.

Hessen

LZK Hessen + vmf. Regelmäßige Anpassungen.

Ostdeutsche BL

Teilweise Tarife, teils tarifffrei. Stark praxisabhängig.

Was steht in einem ZFA-Tarifvertrag?

Mindestgehälter

Gestaffelt nach Berufsjahren und Qualifikation. Keine Praxis im Tarif darf darunter zahlen.

Weihnachtsgeld

Meist 50–100 % eines Monatsgehalts, abhängig von Betriebszugehörigkeit.

Urlaubsanspruch

28–30 Urlaubstage/Jahr (oft mehr als gesetzliches Minimum von 20 Tagen).

Überstundenzuschläge

Zuschläge für Mehrarbeit, Samstagarbeit, ggf. Nacht- oder Feiertagsarbeit.

Gilt der Tarifvertrag für meine Praxis?

Ja, wenn: im Arbeitsvertrag steht "es gilt der Tarifvertrag für zahnärztliche Fachangestellte"

Ja, wenn: dein Zahnarzt Mitglied im Arbeitgeberverband der Zahnärztekammer ist und der Tarif allgemeinverbindlich erklärt wurde

Nein, wenn: dein Arbeitsvertrag keinen Tarifvertrag nennt und keine Allgemeinverbindlichkeit gilt (Mehrheit der Praxen!)

Realität: Die meisten ZFAs in Deutschland arbeiten in tariffreien Praxen. Das bedeutet: Dein Gehalt ist Verhandlungssache. Das ist eine Chance – wenn du weißt, was du wert bist.

Gehaltsverhandlung ohne Tarif: So machst du es richtig

1

Recherche: Was verdienen ZFAs in deiner Region?

Nutze den vmf-Gehaltsspiegel, z-fa.de oder Gehaltsrechner. Kenne den regionalen Median – das ist deine Verhandlungsbasis. Beispiel: "ZFAs in Hamburg verdienen median 2.950 €, ich bin 3 Jahre dabei und möchte 2.900 € statt derzeit 2.600 €."

2

Timing: Wähle den richtigen Moment

Bestes Timing: jährliches Gespräch, kurz nach positivem Feedback, oder direkt nach Abschluss einer Fortbildung. Vermeide stressige Phasen (Urlaub des Chefs, Personalwechsel, Praxisumbau).

3

Argumentation: Konkrete Leistungen nennen

Nicht: "Ich brauche mehr Geld." Sondern: "Seit meiner ZMP-Fortbildung führe ich alle Prophylaxe-Termine selbstständig durch. Das entlastet Dr. Müller täglich 1–2 Stunden. Ich möchte das mit 200 € mehr/Monat vergütet sehen."

4

Zahl zuerst nennen

Nenne einen konkreten Betrag. Wer zuerst nennt, setzt den Anker. Nenne etwas 10–15% über deinem Ziel – dann hast du Verhandlungsspielraum.

Häufige Fragen zum ZFA-Tarifvertrag

Gibt es einen bundesweiten Tarifvertrag für ZFAs?

Nein. Es gibt keinen einheitlichen bundesweiten Tarifvertrag für Zahnmedizinische Fachangestellte. Tarifverträge werden auf Bundeslandebene oder regional zwischen der Zahnärztekammer (als Arbeitgeberverband) und dem Verband medizinischer Fachberufe e.V. (vmf) ausgehandelt. Einige Bundesländer (z.B. Baden-Württemberg, Bayern, NRW) haben aktive Tarifverträge – andere nicht.

Was regelt ein Tarifvertrag für ZFAs?

Ein ZFA-Tarifvertrag legt Mindestgehälter nach Berufsjahren fest, regelt Urlaubsanspruch (meist 28–30 Tage), Weihnachtsgeld (Höhe und Bedingungen), Zuschläge für Überstunden/Wochenendarbeit sowie Kündigungsfristen. Er gilt nur, wenn die Praxis dem Arbeitgeberverband angehört oder den Tarif vertraglich vereinbart.

Wie hoch sind die Tariflöhne für ZFAs in Bayern?

Im bayerischen Tarifvertrag (Stand 2025/26) liegen die Tarifgehälter je nach Berufsjahren bei ca. 2.200 € (1–2 Jahre) bis ca. 2.800 € (8+ Jahre). Mit Fortbildungen (ZMP, ZMV) gibt es Zulagen. Der Tarif gilt nur für Praxen im Arbeitgeberverband – viele zahlen auch ohne Tarif.

Muss meine Praxis den Tarifvertrag einhalten?

Nur wenn die Praxis Mitglied im zuständigen Arbeitgeberverband (i.d.R. der Zahnärztekammer als Berufsverband) ist UND der Tarifvertrag allgemeinverbindlich erklärt wurde – oder wenn du im Arbeitsvertrag ausdrücklich die Geltung des Tarifvertrags vereinbart hast. In der Praxis sind viele ZFAs in tariffreien Praxen tätig und verhandeln frei.

Wie verhandele ich als ZFA erfolgreich ein höheres Gehalt?

Informiere dich vorab über regionale Gehaltsdaten (z-fa.de, vmf-Gehaltsspiegel). Benenne konkrete Leistungen: "Seit meiner Fortbildung zur ZMP übernehme ich alle Prophylaxe-Termine selbstständig." Timing: Jahresgespräch oder nach Abschluss einer Fortbildung. Verhandle konkret: Nenne einen Betrag (z.B. 150 € mehr) statt "ein bisschen mehr". Sei bereit, auch über Extras (mehr Urlaub, Fortbildungskosten-Übernahme) zu verhandeln.

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