Überstunden als ZFA: Deine Rechte und was du dir nicht gefallen lassen musst
Überstunden in der Zahnarztpraxis: Was ist erlaubt? Was musst du dir gefallen lassen? Deine Rechte als ZFA nach Arbeitszeitgesetz und Tarifvertrag.

Wenn der Tag nicht endet
Deine Rechte bei Überstunden als ZFA
„Können Sie heute länger bleiben?“ Diesen Satz kennt jede ZFA. Manchmal ist es eine kurze Nachfrage, manchmal wird es zur Gewohnheit. Aber:Du musst nicht alles hinnehmen. Hier erfährst du, welche Überstunden erlaubt sind – und wo du Nein sagen kannst.
Vorab: Das gilt für alle ZFAs
Als ZFA unterliegst du dem Arbeitszeitgesetz (ArbZG)– unabhängig von Praxisgröße oder Beschäftigungsverhältnis. Es gibt klare gesetzliche Grenzen, die dein Arbeitgeber nicht überschreiten darf.
Deine Rechte: Was das Gesetz sagt
Höchstarbeitszeit
- Maximal 8 Stunden pro Arbeitstag
- Bei 6-Tage-Woche: maximal 48 Stunden pro Woche
- Im Durchschnitt über 6 Monate: maximal 8 Stunden/Tag
Ausnahme: Bis zu 10 Stunden sind erlaubt, wenn innerhalb von 6 Monaten wieder unter 8h ausgeglichen wird.
Ruhezeiten
- Mindestens 11 Stunden Ruhezeit zwischen Schichten
- Bei mehr als 9 Stunden Arbeit: 30 Minuten Pause
- Bei mehr als 6 Stunden Arbeit: 30 Minuten Pause (aufteilbar)
Wichtig: Die Pause muss zwischen der 6. und 9. Stunde liegen.
Sonn- und Feiertagsarbeit
Grundsätzlich ist Sonntagsarbeit verboten. Ausnahmen gibt es nur in besonderen Fällen (z.B. Notdienst). Wenn du sonntags arbeitest:
- Du hast Anspruch auf einen ersatzfreien Ruhetag in der Woche
- Oder: Zuschlag von 50% auf das Stundenentgelt
- An Feiertagen: Oft doppeltes Entgelt oder zusätzlicher freier Tag
Überstundenvergütung: Was bekommst du?
Es gibt zwei Möglichkeiten, wie Überstunden vergütet werden können. Was gilt, steht meist in deinem Arbeitsvertrag:
1. Zeitgleiches Ausgleichen
Für jede Überstunde bekommst du Zeit frei – meist im Verhältnis 1:1 (manchmal 1:1,5)
- Muss in angemessener Zeit erfolgen (oft innerhalb 3 Monate)
- Du kannst oft wählen, wann du die Zeit abfeierst
2. Finanzielle Vergütung
Du bekommst die Überstunden ausgezahlt – oft mit einem Zuschlag
- Normalerweise +25% auf das Stundenentgelt
- Nachtarbeit: oft +25-40% zusätzlich
- Sonntags: +50% oder Ersatzruhetag
⚠️ Achtung: Verfall von Überstunden
Überstunden verfallen NICHT automatisch! Dein Arbeitgeber muss sie entweder auszahlen oder zum Ausgleich freigeben. Wenn das nicht geschieht, kannst du sie später noch geltend machen – auch nach Jahren!
Was musst du hinnehmen – und was nicht?
Das musst du dir NICHT gefallen lassen:
- ×Regelmäßige 10-Stunden-Tage ohne Ausgleich – verstößt gegen ArbZG
- ×Keine Pausen bei langen Schichten – 30 Min. sind Pflicht
- ×Weniger als 11 Stunden zwischen Schichten – illegal
- ×Unbezahlte Überstunden ohne Vertrag – du hast Anspruch auf Vergütung
- ×Systematische Überstunden ohne Ausgleich – dauerhaftes Manko
- ×Druck oder Drohungen bei Überstundenverweigerung – Mobbing
Das ist erlaubt (wenn du einverstanden bist):
- Gelegentliche Überstunden bei akutem Personalmangel oder Notfällen
- Ausgeglichene Überstunden – du bekommst Zeit oder Geld zurück
- Freiwillige Bereitschaft – wenn du zustimmen möchtest
- Saisonale Spitzen – z.B. vor Weihnachten, wenn ausgeglichen wird
So gehst du mit Überstunden um
Dokumentiere alles
Führe ein Stundenzettel oder nutze eine App. Notiere:
- • Datum und Uhrzeit (Start/Ende)
- • Dauer der Überstunden
- • Grund (wenn bekannt)
- • Ob du gefragt wurdest oder freiwillig geblieben bist
Sprich es an
Bei regelmäßigen Überstunden solltest du das Gespräch suchen:
„Ich habe bemerkt, dass ich in den letzten Wochen regelmäßig länger geblieben bin. Können wir besprechen, wie wir das ausgleichen oder besser organisieren können?"
Setze Grenzen
Du hast das Recht, Überstunden abzulehnen – besonders wenn:
- • Du bereits an der Grenze der Höchstarbeitszeit bist
- • Du weniger als 11 Stunden Ruhezeit hättest
- • Du gesundheitliche Gründe hast
- • Du familiäre Verpflichtungen hast (z.B. Kinder abholen)
Fordere dein Recht ein
Wenn Überstunden nicht ausgeglichen oder bezahlt werden:
- Schreibe eine freundliche Email mit der Bitte um Ausgleich
- Setze eine Frist (z.B. 2 Wochen)
- Drohe mit Konsequenzen: „Ich behalte mir vor, rechtliche Schritte einzuleiten"
- Bei Nichtreaktion: Betriebsrat (falls vorhanden) oder Gewerkschaft kontaktieren
- Letzter Schritt: Rechtsanwalt oder Arbeitsgericht
Häufige Fragen zu Überstunden als ZFA
Kann ich Überstunden einfach ablehnen?
Ja! Du hast keinen grundsätzlichen Verpflichtung, Überstunden zu machen. Wenn es zu viel wird oder deine Gesundheit gefährdet, kannst du Nein sagen. Ein guter Arbeitgeber wird das respektieren.
Was ist mit kurzfristigen Notfällen?
Bei unvorhersehbaren Notfällen (z.B. akute Zahnschmerzen eines Patienten) kann dein Arbeitgeber dich kurzfristig bitten zu bleiben. Das ist erlaubt, muss aber ausgeglichen werden.
Mein Chef droht mir bei Ablehnung – was tun?
Das ist Mobbing und rechtlich nicht haltbar. Dokumentiere die Drohungen und suche das Gespräch mit dem Betriebsrat oder einer Gewerkschaft. Im Ernstfall: Rechtsanwalt konsultieren.
Wie lange kann ich Überstunden geltend machen?
3 Jahre ab dem Zeitpunkt, an dem sie fällig wurden. Das heißt: Du kannst auch Überstunden von vor 2 Jahren noch einfordern! Allerdings: Je länger du wartest, desto schwieriger wird die Beweisführung.
Gilt das auch für Teilzeit-ZFAs?
Ja! Teilzeitkräfte haben die gleichen Rechte. Allerdings gilt: Überstunden sind erst ab der vertraglich vereinbarten Arbeitszeit zu zählen. Wenn du 30h/Woche hast und 35h arbeitest, sind 5h Überstunden.
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